Die oder der Ex hat eine Neue. Allein dieser Satz kann erstaunlich viel auslösen. Selbst dann, wenn die Trennung längst beschlossen war. Selbst dann, wenn man eigentlich gar nicht mehr zurückwill. Und manchmal sogar dann, wenn man selbst schon wieder glücklich vergeben ist.
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Plötzlich ist da eine andere Frau an seiner Seite. Sie sitzt vielleicht auf dem Platz, auf dem früher du gesessen hast. Sie kennt inzwischen seine Freunde, fährt mit ihm in den Urlaub oder verbringt Zeit mit euren Kindern. Und dann wird von einem möglichst erwachsenes Verhalten erwartet. Lächeln. Freundlich sein. Sich vielleicht sogar freuen.
Ganz ehrlich: Du musst die neue Freundin deiner oder deines Ex nicht mögen.
Meine Ex oder mein Ex hat eine Neue und plötzlich tut es doch weh
Das Gemeine an einer neuen Beziehung des Ex ist: Sie kann Gefühle hervorrufen, mit denen man überhaupt nicht gerechnet hat. Vielleicht dachtest du, die Trennung sei längst verarbeitet. Dann erfährst du, dass es eine andere Frau gibt, und plötzlich zieht es dir den Boden unter den Füßen weg.
Das muss nicht bedeuten, dass du deine Ex (oder deinen Ex) zurückhaben möchtest.
Manchmal tut schlicht der Gedanke weh, ersetzt worden zu sein. Manchmal kratzt es am eigenen Selbstbewusstsein. Vielleicht scheint die Neue jünger, erfolgreicher, schöner, entspannter oder einfach völlig anders zu sein als du. Und natürlich beginnt der Kopf sofort damit, Vergleiche anzustellen.
Was hat sie, was ich nicht habe? Ist sie/er mit ihr glücklicher? Machen sie jetzt all die Dinge, die wir immer vorgeschoben haben und nie umgesetzt? Warum funktioniert es plötzlich?
Diese Fragen sind menschlich. Besonders hilfreich sind sie allerdings selten.
Denn du siehst immer nur einen kleinen Ausschnitt dieser neuen Beziehung. Und vor allem sagt ihre/seine Entscheidung für einen anderen Menschen nichts darüber aus, wie wertvoll du bist.
Du musst die Neue nicht mögen
Einer der größten Fehler besteht meiner Meinung nach darin, sich selbst einzureden, man müsse nach einer Trennung irgendwann so wahnsinnig souverän sein, dass man mit der neuen Freundin problemlos einen Kaffee trinken könnte.
Warum eigentlich?
Nur weil zwei Menschen einmal ein Paar waren, müssen sie anschließend keine moderne Patchworkfamilie spielen, in der sich alle blendend verstehen.
Es gibt einen großen Unterschied zwischen: „Ich mag diese Frau.“ und „Ich akzeptiere, dass diese Frau jetzt zum Leben meiner Ex/meines Ex gehört.“
Das Zweite reicht vollkommen. Es kann sogar ausgesprochen befreiend sein, sich das zu erlauben. Du darfst jemanden unsympathisch finden. Du darfst Abstand halten. Und du darfst entscheiden, dass du über das Privatleben deiner Ex/deines Ex möglichst wenig wissen möchtest. Das ist nicht automatisch Eifersucht oder Bitterkeit. Das kann schlicht eine Grenze sein.
Was du besser nicht tun solltest
So verständlich Wut, Verletzung oder Eifersucht sein können, manche Dinge machen die Situation meistens nur schlimmer.
Die Neue auf Social Media beobachten
Es beginnt vielleicht ganz harmlos mit einem Blick auf Instagram oder Facebook. Und eine halbe Stunde später kennst du ihren letzten Urlaub, ihre Freundinnen, ihre Wohnung und vermutlich sogar den Namen ihres Hundes.
Was bringt dir das? Im besten Fall gar nichts. Im schlechtesten Fall hast du plötzlich hundert neue Dinge, mit denen du dich vergleichen kannst. Wenn du merkst, dass du regelmäßig kontrollierst, was deine Ex/dein Ex und seine neue Partnerin machen: Entfolgen, stummschalten oder blockieren kann ausgesprochen wohltuend sein.
Du musst nicht alles wissen.
Sie oder ihn über seine Neue ausfragen
„Seit wann kennt ihr euch eigentlich?“ „War da schon etwas, als wir noch zusammen waren?“ „Ist sie oft bei dir?“ „Was mögen deine Freunde an ihr?“
Es gibt Situationen, in denen solche Fragen berechtigt sind. Besonders dann, wenn etwas aus der früheren Beziehung noch geklärt werden muss. Aber irgendwann kommt der Punkt, an dem zusätzliche Informationen keinen Abschluss mehr bringen.
Sie liefern nur neues Material zum Grübeln.
Sich permanent mit ihr vergleichen
Sie ist zehn Jahre jünger? Na und. Sie läuft Marathon, während du nach drei Kilometern schon keine Lust mehr hast? Ebenfalls egal. Deine Ex/dein Ex hat sich nicht für sie entschieden, weil irgendwo eine Tabelle existiert, auf der Frauen nach Attraktivität, Alter, Einkommen und Fitnesspunkten bewertet werden.
Menschen passen zusammen oder eben nicht.
Und dass eine Beziehung nicht funktioniert hat, macht keinen der beiden Beteiligten automatisch zum schlechteren Menschen.
Wenn Kinder im Spiel sind, wird es komplizierter
Hier ändert sich für mich einiges. Wenn ihr gemeinsame Kinder habt und die neue Partnerin regelmäßig Zeit mit ihnen verbringt, kannst du sie nicht einfach vollständig ausblenden. Das bedeutet trotzdem nicht, dass ihr Freundinnen werden müsst. Aber ein respektvoller Umgang wird wichtiger.
Kinder sollten nicht das Gefühl bekommen, sich zwischen Mutter, Vater und neuen Partnern entscheiden zu müssen. Und sie sollten schon gar nicht zu Boten oder Informationsquellen gemacht werden.
Fragen wie „War Papas Freundin wieder da?“ oder „Was haben die beiden gemacht?“ können für Erwachsene völlig harmlos klingen. Ein Kind kann sich dadurch aber schnell fühlen, als müsse es Bericht erstatten.
Auch abfällige Bemerkungen über die neue Partnerin gehören meiner Meinung nach nicht vor Kinder. Du darfst sie doof finden. Dein Kind darf sie trotzdem mögen.
Das ist vermutlich eine der schwierigsten Übungen überhaupt.
Die Neue ist nicht automatisch deine Konkurrentin
Gerade wenn gemeinsame Kinder vorhanden sind, kann schnell ein weiterer Gedanke entstehen: Will sie jetzt meinen Platz einnehmen? In aller Regel gibt es diesen Platz aber gar nicht zu vergeben.
Eine neue Partnerin kann für ein Kind wichtig werden. Sie kann eine vertraute Bezugsperson sein, mit ihm lachen, Hausaufgaben machen oder gemeinsam in den Urlaub fahren. Trotzdem bist du seine Mutter. Das eine löscht das andere nicht aus.
Je weniger daraus ein Wettbewerb gemacht wird, desto leichter dürfte es für alle Beteiligten werden.
Das gilt übrigens auch umgekehrt: Eine neue Partnerin sollte nicht versuchen, sich an die Stelle der Mutter zu setzen. Patchwork funktioniert nicht dadurch, dass alte Beziehungen verschwinden, sondern dadurch, dass neue hinzukommen und jeder seinen Platz findet.
Was ist, wenn ich sie wirklich nicht ausstehen kann?
Dann magst du sie eben nicht. Entscheidend ist eher, was du daraus machst. Du musst deine Abneigung nicht bekämpfen, bis irgendwann echte Sympathie entsteht. Viel wichtiger ist, dass diese Frau nicht dauerhaft deinen Alltag und deine Gedanken bestimmt.
Vielleicht lohnt es sich, sich selbst eine unangenehme Frage zu stellen: Stört mich tatsächlich diese Frau oder stört mich das, wofür sie steht?
Denn die neue Partnerin macht etwas sehr deutlich: Die alte Beziehung ist tatsächlich vorbei. Manchmal ist genau das der schmerzhafte Punkt. Nicht sie persönlich.
Und wenn die Neue eigentlich ganz nett ist?
Auch das soll vorkommen. Vielleicht merkst du irgendwann, dass sie überhaupt nicht die Rivalin ist, die du in deinem Kopf aus ihr gemacht hast. Vielleicht geht sie liebevoll mit euren Kindern um. Vielleicht hält sie sich aus Konflikten heraus. Vielleicht ist sie einfach ein angenehmer Mensch.
Dann darfst du sie selbstverständlich auch mögen. Das ist kein Verrat an deiner eigenen Vergangenheit. Und du musst deshalb auch nicht plötzlich begeistert Weihnachten mit deiner Ex/deinem Ex, ihrer/seiner Freundin und der gesamten erweiterten Patchworkfamilie verbringen.
Mein Fazit: Respekt ja, Freundschaft nein
Nein, du musst die neue Freundin nicht mögen. Du musst auch nicht begeistert darüber sein, dass es sie gibt. Was du allerdings versuchen kannst, ist, ihr nicht mehr Bedeutung zu geben, als sie für dein eigenes Leben tatsächlich hat. Ohne gemeinsame Kinder kann das bedeuten: Abstand halten und das neue Leben des Anderen auch wirklich sein neues Leben sein lassen.
Mit gemeinsamen Kindern ist etwas mehr gefragt. Dann sollte zumindest ein respektvoller Umgang möglich sein, weil die Kinder nicht zwischen die Erwachsenen geraten dürfen. Und vielleicht ist das am Ende die erwachsenste Form des Umgangs miteinander:
Du musst sie nicht mögen. Du musst sie nicht kennenlernen wollen. Du musst dich nicht mit ihr vergleichen. Du musst nur akzeptieren, dass es sie gibt. Der Rest darf sich entwickeln. Oder eben auch nicht.