Kos auf eigene Faust: Mit dem Roller über die Insel und mit dem Boot hinaus aufs Meer

Kos mag ich sehr gerne, denn es ist eine typische griechische Ferieninsel mit schönem Wetter, blauem Meer, Tavernen & Co. In diesem Juni war ich erneut auf der Insel und habe diese mit einem Roller erobert. Ich bin einfach losgefahren und spürte erneut sehr schnell, dass diese Insel viel abwechslungsreicher ist, als sie auf den ersten Blick wirkt.

Für mich war der Roller am Ende wahrscheinlich die beste Entscheidung des ganzen Urlaubs. Statt morgens zu überlegen, welcher Bus wann fährt oder mich einem festen Ausflugsprogramm anzuschließen, konnte ich einfach starten. Ein Ziel auf Google Maps auswählen, Helm auf und los. Und manchmal eben auch ohne Ziel.

Gerade das hat mir auf Kos besonders gefallen.

Juni auf Kos: warm, aber noch angenehm

Ich war im Juni auf Kos, und für mich war der Zeitpunkt nahezu perfekt. Die Urlaubssaison läuft bereits, Restaurants, Strandbars und Ausflugsanbieter sind geöffnet, trotzdem fühlt sich die Insel noch nicht ganz so voll an wie vermutlich im Juli oder August.

Natürlich war es tagsüber schon sehr warm. Aber gerade auf dem Roller war das angenehm, weil ständig Fahrtwind da war. Und wenn es zu heiß wurde, war der nächste Strand selten weit entfernt.

Kos ist außerdem überschaubar genug, um tatsächlich das Gefühl zu haben, die Insel kennenlernen zu können. Von Kos-Stadt im Osten bis in die Gegend um Kefalos im Südwesten sind es keine riesigen Distanzen. Gleichzeitig verändert sich die Landschaft unterwegs immer wieder. Mal fährt man durch touristische Orte, dann durch überraschend ruhige Gegenden, vorbei an Feldern, kleinen Kirchen und Olivenbäumen und wenig später wieder direkt am Meer entlang.

Genau diese Mischung hat für mich den Reiz ausgemacht.

Kos-Stadt: touristisch, aber trotzdem sehenswert

An Kos-Stadt kommt man kaum vorbei. Und das ist auch gut so.

Natürlich gibt es hier die üblichen touristischen Ecken mit Souvenirgeschäften, Restaurants und Bars. Gleichzeitig besitzt die Stadt aber genügend Charakter, um nicht wie ein beliebiger Urlaubsort zu wirken.

Kos auf eigene Faust: hier ein Bild aus Kos-Stadt
Wer schon einmal in Kos-Stadt gewesen ist, wird dieses Bild kennen

Der Hafen gehört für mich zu den Orten, an denen man automatisch langsamer wird. Fähren und Ausflugsboote kommen und gehen, überall liegen kleinere Boote, Menschen sitzen in Cafés und spätestens am Abend beginnt dieses typische mediterrane Leben, bei dem plötzlich niemand mehr besonders viel Eile zu haben scheint.

Dazu kommen die historischen Überreste, die Festung am Hafen und natürlich die Verbindung zu Hippokrates, die einem auf Kos immer wieder begegnet. Dass Kos neben Stränden eine Menge Geschichte zu bieten hat, merkt man vor allem dann, wenn man sich ein bisschen abseits der Einkaufsstraßen bewegt. Die Insel gilt nicht ohne Grund als Heimat des Hippokrates und verbindet Badeurlaub mit zahlreichen antiken Stätten.

Mein Tipp für einen Abend in Kos-Stadt ist die Hirodion Taverna in der Artemisias. Das Restaurant existiert weiterhin und ist aktuell täglich geöffnet. Wer gerne Fisch und Meeresfrüchte isst, kann sich außerdem die Astakos Seafood & Grill Restaurant, KOS Island am Hafen beziehungsweise in Hafennähe merken.

Kos auf eigene Faust: So schön wird das Essen in der Taverne zubereitet (Credit: Instagram)
So schön wird das Essen in der Taverne zubereitet (Credit: Instagram)

Mit dem Roller Richtung Westen

So schön Kos-Stadt ist, mein eigentliches Kos-Gefühl begann außerhalb der Stadt.

Mit dem Roller wird aus einer Fahrt von A nach B plötzlich ein Teil des Urlaubs. Man riecht die warme Luft, fährt durch kleine Orte und kann jederzeit anhalten. Genau deshalb würde ich Kos jederzeit wieder auf zwei Rädern erkunden.

An der Nordküste liegen Orte wie Tigaki, Marmari und Mastichari (mein Lieblingsort auf Kos). Sie gehören zu den bekannteren Strandregionen der Insel. Gerade Tigaki und Marmari sind natürlich touristisch erschlossen. Trotzdem lohnt es sich, nicht nur auf der Hauptstraße hindurchzufahren. An der Nordküste gibt es lange Strände und immer wieder Abschnitte, an denen sich spontan ein Badestopp anbietet. Tigaki, Marmari und Mastichari zählen auch offiziell zu den bekannten Strandorten von Kos.

Kos auf eigene Faust: Man kann mit der Fähre auf Nachbarinseln fahren
Auch wenn es keine Vespa war, hatte ich mit dem Roller viel Spaß auf Kos und den Nachbarinseln

Für mich gehörte es irgendwann einfach dazu, Badesachen unter den Rollersitz zu packen. Ein perfekter Reiseplan war gar nicht notwendig. Wenn irgendwo das Meer besonders einladend aussah, wurde eben angehalten. So stelle ich mir Urlaub inzwischen eigentlich am liebsten vor.

Mastichari: ein Ort für Fisch und Meer

Mastichari hat mir besonders wegen seiner entspannten Lage am Meer gefallen. Rund um den Hafen wirkt vieles etwas kleiner und gelassener als in den großen touristischen Zentren.

Wer hier Hunger bekommt, hat einige gute Möglichkeiten. Eine Adresse, die weiterhin existiert und aktuell sehr gut bewertet wird, ist die O Makis Fish Taverna. Wie der Name schon verrät, ist das eine Adresse, die sich vor allem für Fischliebhaber anbietet. Ebenfalls weiterhin geöffnet ist das Akrogiali, ein griechisches Restaurant in Mastichari direkt in Küstennähe.

Bei ausreichend Wind, ist Mastichari ein Hot-Spot für Kite-Surfer und Surfer
Bei ausreichend Wind, ist Mastichari ein Hot-Spot für Kite-Surfer und Surfer

Gerade bei einer Rollertour würde ich solche Stopps nicht zu genau planen. Lieber irgendwann am Nachmittag ankommen, Roller abstellen, etwas essen und anschließend noch ans Wasser gehen.

Kos funktioniert für mich genau dann am besten, wenn man nicht jede Stunde vorher festlegt.

Zia: schön, obwohl natürlich längst kein Geheimtipp mehr

Einer dieser Orte, über den fast jeder Kos-Reiseführer spricht, ist Zia. Und entsprechend viele Menschen kommen hierher. Ein einsames Bergdorf darf man also nicht erwarten. Trotzdem würde ich Zia nicht auslassen.

Der Ort liegt höher im Inselinneren und allein die Fahrt dorthin unterscheidet sich deutlich von einer Tour entlang der Küste. Die Landschaft wird grüner, die Straßen steigen an und irgendwann öffnet sich der Blick weit über die Insel und das Meer.

Besonders bekannt ist Zia für den Sonnenuntergang. Deshalb wird es gegen Abend auch entsprechend voll. Wer den Ort etwas ruhiger erleben möchte, sollte früher kommen, durch die kleinen Straßen laufen und sich Zeit nehmen. Und ja, natürlich gibt es Souvenirläden. Sehr viele sogar. Trotzdem hat Zia schöne Ecken.

Zum Essen gehört dort das Oromedon Restaurant zu den bekanntesten Adressen. Das griechische Restaurant besteht weiterhin und ist aktuell geöffnet. Die Lage in Zia macht es besonders interessant, wenn man Essen und Aussicht miteinander verbinden möchte.

Eine etwas andere Alternative ist die Taverna Zia (No stress), ebenfalls ein weiterhin bestehendes griechisches Restaurant im Ort.

Und ganz unabhängig davon, wo man am Ende sitzt: Für die Rückfahrt mit dem Roller sollte man bedenken, dass die kurvigen Straßen im Dunkeln natürlich anders sind als tagsüber. Ich würde deshalb entweder rechtzeitig losfahren oder besonders langsam und aufmerksam zurückfahren.

Mein Lieblingsgefühl auf Kos: einfach weiterfahren

Was mir von diesen Rollertagen besonders im Gedächtnis geblieben ist, sind gar nicht unbedingt einzelne Sehenswürdigkeiten.

Es ist dieses Unterwegssein.

Du fährst zehn Minuten, hältst irgendwo an, schaust aufs Meer, kaufst dir etwas zu trinken und fährst weiter. Plötzlich steht irgendwo eine winzige Kirche. Ein paar Kilometer später beginnt ein Strand. Dann führt die Straße wieder durchs trockene Inselinnere.

Mit dem Auto hätte ich wahrscheinlich deutlich weniger angehalten. Mit dem Roller gehörten diese kleinen Stopps automatisch dazu. Kos eignet sich dafür besonders gut, weil die Insel groß genug für Entdeckungstouren ist, aber nicht so groß, dass daraus anstrengende Tagesetappen werden müssen.

Kefalos und Agios Stefanos: Kos wie auf einer Postkarte

Je weiter man in Richtung Südwesten fährt, desto mehr lohnt sich die Gegend rund um Kefalos.

Einer der Orte, den man auf Fotos von Kos immer wieder sieht, ist der Strand Agios Stefanos. Und hier entspricht das Motiv tatsächlich ziemlich genau dem, was man vor Ort findet: Strand, blaues Wasser, historische Ruinen direkt am Meer und gegenüber die kleine Insel Kastri.

Agios Stefanos liegt in der Kefalos-Bucht und verbindet Strand und Geschichte auf eine ungewöhnliche Weise. Direkt am Wasser befinden sich Überreste frühchristlicher Kirchen. Gegenüber liegt Kastri mit der kleinen blau-weißen Kirche Agios Nikolaos.

Das ist natürlich kein einsamer Geheimstrand. Trotzdem fand ich gerade die Kombination außergewöhnlich.

Auch die gesamte Kefalos-Bucht lohnt sich, wenn man mit dem Roller unterwegs ist. Hier gibt es genügend Möglichkeiten, immer wieder ans Meer abzubiegen. Die Region gehört zu den Gegenden auf Kos, für die ich deutlich mehr Zeit einplanen würde, als man zunächst denkt.

Zum Essen kann man sich in Kefalos das Maistrali Restaurant merken. Das griechische Restaurant existiert weiterhin und ist aktuell täglich geöffnet.

Kardamena: lebhafter und touristischer

Kardamena ist dagegen eine andere Seite von Kos. Hier geht es lebhafter zu. Bars, Restaurants, Hafen, Geschäfte, Urlauber. Wer komplette Ruhe sucht, wird wahrscheinlich andere Orte auf der Insel bevorzugen.

Für einen Zwischenstopp während einer Rollertour fand ich gerade diesen Wechsel aber interessant.

Kos besteht eben nicht nur aus kleinen Bergdörfern und einsamen Buchten. Die touristischen Orte gehören genauso zur Insel. Direkt am Hafen befindet sich beispielsweise das Gia Masa, ein weiterhin geöffnetes Familienrestaurant. Ebenfalls noch vorhanden ist das Avli restaurant am zentralen Platz von Kardamena.

Inselhopping: Warum Kos für mich plötzlich noch größer wurde

So schön es war, Kos mit dem Roller zu erkunden, irgendwann wollte ich auch wissen, was eigentlich hinter dem Horizont liegt. Und genau deshalb gehörte für mich Inselhopping zu diesem Urlaub unbedingt dazu.

Kos ist dafür ein ausgesprochen guter Ausgangspunkt. Vom Hafen starten Fähren und Ausflugsboote in verschiedene Richtungen. Plötzlich schaut man nicht mehr nur vom Strand auf die benachbarten Inseln, sondern sitzt selbst auf einem Boot und fährt hinüber.

Für mich verändert das einen Griechenlandurlaub sofort.

Vom Wasser aus sehen die Inseln komplett anders aus. Man lässt Kos hinter sich, fährt über die Ägäis und merkt erst, wie eng die Inselwelt des Dodekanes miteinander verbunden ist.

Eine der bekanntesten Möglichkeiten für einen Ausflug von Kos ist Nisyros. Die Insel ist vulkanischen Ursprungs und vor allem wegen ihrer Caldera und der Vulkanlandschaft bekannt. Daneben werden von Kos aus verschiedene Touren zu kleineren Nachbarinseln angeboten.

Was mir am Inselhopping besonders gefallen hat, war der Kontrast zur Rollertour. An einem Tag war ich völlig unabhängig auf Kos unterwegs. Am nächsten saß ich auf einem Boot, das Meer rundherum, und sah die Insel immer kleiner werden.

Genau solche Wechsel machen einen Urlaub für mich interessant.

Braucht man auf Kos überhaupt einen Mietwagen?

Nach meinem Urlaub wäre meine Antwort ganz klar: nicht unbedingt. Natürlich hängt es davon ab, wie sicher man sich auf einem Roller fühlt und wie viel Gepäck man transportieren möchte. Für mich war der Roller aber ideal.

Parkplätze sind kaum ein Problem, man kommt schnell voran und nimmt die Umgebung viel unmittelbarer wahr.

Ein wichtiger Punkt darf trotzdem nicht fehlen: Helm tragen, vorsichtig fahren und die Geschwindigkeit nicht unterschätzen. Gerade wenn Straßen sandig oder ungewohnt sind, sollte man nicht fahren wie jemand, der die Strecke seit zehn Jahren kennt.

Was ich beim nächsten Mal anders machen würde

Ich würde noch weniger planen. Das klingt vielleicht merkwürdig, denn normalerweise kommt man aus einem Urlaub zurück und erstellt eine Liste all der Dinge, die man beim nächsten Mal unbedingt noch sehen möchte.

Natürlich habe ich diese Liste auch. Trotzdem war gerade das Ungeplante das Beste an Kos.

Nicht die Sehenswürdigkeit, die um 11 Uhr im Reiseplan stand, sondern die Straße, die plötzlich interessant aussah. Der Strand, an dem ich eigentlich nur fünf Minuten halten wollte. Der Kaffee irgendwo unterwegs. Dieses Gefühl, morgens einen Roller vor der Tür zu haben und noch nicht genau zu wissen, wo man am Nachmittag sein wird.

Mein Fazit: Kos funktioniert am besten mit ein bisschen Freiheit

Kos war für mich kein Urlaub, bei dem ich zwei Wochen lang zwischen Hotelbuffet und Sonnenliege gependelt bin. Und genau deshalb ist mir die Insel so positiv in Erinnerung geblieben.

Im Juni mit dem Roller über Kos zu fahren, war für mich die ideale Art, die Insel zu entdecken. Kos-Stadt anschauen, Richtung Zia hinauffahren, an der Küste entlangrollen, in Mastichari stoppen, die Gegend um Kefalos erkunden und zwischendurch einfach irgendwo ins Meer springen.

Und dann war da noch das Inselhopping.

Spätestens als Kos vom Boot aus langsam kleiner wurde, hatte ich das Gefühl, nicht nur eine Insel zu besuchen, sondern ein kleines Stück der Ägäis kennenzulernen. Wer im Urlaub gerne unabhängig unterwegs ist, nicht jeden Tag durchplanen möchte und Strand, kleine Orte, gutes Essen und Ausflüge miteinander verbinden will, dem kann ich Kos deshalb wirklich empfehlen.

Mein wichtigster Tipp wäre dabei erstaunlich einfach: Nimm dir Zeit und lass unterwegs Platz für Umwege. Auf Kos sind es manchmal genau diese Umwege, an die man sich später am besten erinnert.