Was ich mit 50 nicht mehr mitmache und warum das ziemlich befreiend ist

Was ich mit 50 nicht mehr mitmache und warum das ziemlich befreiend ist

Mit 30 dachte ich noch, man müsste im Leben möglichst vieles richtig machen. Nett sein. Verlässlich sein. Niemanden enttäuschen. Ein ordentliches Zuhause haben. Termine einhalten. Freundschaften pflegen. Gesund leben, aber bitte nicht so, dass es anderen auffällt. Und natürlich sollte man immer funktionieren.

Heute bin ich über 50 und sehe vieles entspannter.

Nicht, weil mir alles egal geworden ist. Ganz im Gegenteil. Ich weiß nur inzwischen viel besser, was mir wichtig ist. Und genauso wichtig: was nicht.

Was ich mit 50 nicht mehr mitmache und warum das ziemlich befreiend ist: Katze aus Griechenland
Diese kretische Katze macht vor, was viele lieben: Chillen am Strand

Das ist vermutlich eine der angenehmsten Seiten des Älterwerdens. Man muss nicht plötzlich weise sein. Man muss auch nicht anfangen, morgens um sechs Yoga zu machen oder sein komplettes Leben neu zu sortieren. Es reicht manchmal schon, ein paar Dinge nicht mehr mitzumachen.

Ich sage nicht mehr automatisch Ja

Das war lange eine meiner Spezialitäten. Kannst du noch schnell? Hast du kurz Zeit? Könntest du vielleicht? Kommst du mit? Übernimmst du das? Und viel zu oft lautete meine Antwort: Ja.

Nicht immer, weil ich wirklich wollte. Sondern weil Nein sagen unangenehm sein kann. Weil man niemanden enttäuschen möchte. Weil man hilfsbereit sein will. Oder weil man denkt, dass die Welt sonst womöglich ohne einen zusammenbricht.

Spoiler: Tut sie nicht.

Heute sage ich häufiger Nein. Nicht unfreundlich. Nicht demonstrativ. Einfach, weil ich gelernt habe, dass meine Zeit genauso wertvoll ist wie die anderer Menschen.

Ein Nein zu etwas ist manchmal schlicht ein Ja zu mir selbst. Und erstaunlicherweise passiert danach meistens gar nichts Dramatisches.

Dinge dürfen auch mal liegenbleiben

Ich kann mittlerweile einen Wäscheständer ansehen und denken: Morgen. Das klingt banal. Für mich ist es das nicht.

Früher hatte ich oft das Gefühl, Dinge müssten erledigt sein, bevor ich mich entspannen darf. Küche aufräumen. Wäsche machen. Mails beantworten. Irgendetwas gibt es schließlich immer.

Nur ist das Problem: Fertig wird man mit dem Leben nie. Heute kann ich Dinge liegenlassen.

Wenn ich lieber einen Kaffee trinken, einen Artikel schreiben, rausgehen oder einfach gar nichts tun möchte, dann wartet die Wäsche eben. Sie läuft nicht weg.

Das Leben dagegen manchmal schon.

Ich muss nicht mit jedem befreundet sein

Auch das hat gedauert. Nicht jeder Mensch muss mich mögen. Und ich muss auch nicht jeden Menschen mögen.

Es gibt Menschen, mit denen stimmt die Chemie einfach nicht. Andere tun einem nicht gut. Manche Freundschaften funktionieren zehn Jahre wunderbar und irgendwann nicht mehr. Früher hätte mich das viel stärker beschäftigt. Heute denke ich: Dann ist das so.

Ich brauche keine riesige Freundesliste. Mir sind Menschen wichtiger, bei denen ich mich nicht verstellen muss. Menschen, mit denen man lachen kann, schweigen kann und auch mal drei Wochen nichts voneinander hört, ohne daraus ein Drama zu machen.

Ich finde, Freundschaften werden mit dem Alter nicht unbedingt zahlreicher.

Aber oft ehrlicher.

Reisen bedeutet für mich nicht zwei Wochen Liegestuhl

Ich reise gerne. Sehr gerne sogar. Aber ich bin kein Mensch, der in ein anderes Land fliegt, morgens eine Liege reserviert und anschließend zwei Wochen lang hauptsächlich den Weg zwischen Hotelbuffet, Pool und Strand kennenlernt.

Natürlich liege ich auch gerne mal am Meer. Nur möchte ich wissen, wo ich eigentlich bin.

Ich möchte durch Städte laufen, in kleinen Cafés sitzen, auf Märkte gehen, mit Menschen sprechen und Dinge ausprobieren, die ich zu Hause nicht machen würde.

Ich will sehen, wie andere Menschen leben. Andere Kulturen kennenzulernen relativiert erstaunlich viele Dinge, über die man sich zu Hause aufregt. Und manchmal lernt man unterwegs auch etwas über sich selbst.

Zum Beispiel, dass man viel weniger braucht, als man glaubt. Oder dass man sich auch alleine ziemlich gut beschäftigen kann.

Ich fahre Vespa statt Auto

Andere kaufen sich vielleicht irgendwann einen größeren Wagen. Ich fahre Vespa.

Für mich ist das inzwischen fast ein Lebensgefühl. Man sitzt nicht abgeschottet hinter einer Windschutzscheibe. Man riecht die Stadt, hört sie und steht im Zweifel auch mal im Regen. Natürlich ist eine Vespa nicht immer praktisch. Aber muss eigentlich alles im Leben praktisch sein?

Ich mag dieses Gefühl, einfach aufzusteigen und loszufahren. Gerade in Berlin.

Vielleicht erinnert mich die Vespa auch ein bisschen an Italien. Und Italien geht bei mir ohnehin immer. Es sind manchmal diese vermeintlich kleinen Entscheidungen, bei denen man merkt: Ich mache das jetzt so, weil es mir gefällt. Nicht, weil es vernünftig aussieht.

Ich trinke keinen Alkohol und habe trotzdem Spaß

Auch so eine Sache, die erstaunlich viele Menschen erklärungsbedürftig finden.

Ich trinke keinen Alkohol.

Nicht aus religiösen Gründen. Nicht aus moralischer Überzeugung. Und ich will auch niemandem erklären, dass er sein Glas Wein stehenlassen soll. Ich möchte ihn einfach nicht.

Früher hatte ich manchmal das Gefühl, dass man das rechtfertigen müsste. Warum trinkst du nichts? Gar nichts?

Nicht mal ein Glas? Nein.

Und das Verrückte ist: Man kann tatsächlich ohne Alkohol essen gehen, feiern, reisen, lachen und sehr lange Abende haben. Ich habe trotzdem Spaß. Manchmal sogar besonders viel. Und am nächsten Morgen weiß ich noch, warum.

Auch beim Essen höre ich inzwischen stärker auf mich

Ich verzichte auf Gluten, weil ich merke, dass mein Darm damit besser zurechtkommt. Auch das macht das Leben nicht immer einfacher.

Gerade unterwegs bedeutet es manchmal, genauer hinzusehen oder nachzufragen. Aber ich habe aufgehört, Dinge zu essen oder zu trinken, nur weil es für andere unkomplizierter ist.

Wenn mein Körper mir ziemlich deutlich sagt, dass ihm etwas nicht bekommt, höre ich inzwischen zu. Das hätte ich früher vermutlich häufiger ignoriert.

Heute finde ich Gesundheit wichtiger als die Frage, ob jemand meine Essgewohnheiten umständlich findet.

Ich will mein Leben nicht optimieren

Vielleicht ist das überhaupt der größte Unterschied. Ich habe nicht mehr den Anspruch, die beste Version meiner selbst zu werden. Dieser Satz hat mich ohnehin immer ein bisschen gestresst.

Ich möchte nicht permanent an mir arbeiten. Ich möchte leben.

Ich möchte reisen. Schreiben. Vespa fahren. Neues ausprobieren. Menschen kennenlernen. Gute Gespräche führen. Italien besuchen. Dinge lernen. Manchmal meine Meinung ändern.

Und ich möchte auch schlechte Tage haben dürfen. Ich muss nicht jeden Morgen voller Energie aus dem Bett springen und dankbar in den Sonnenaufgang lächeln.

Manchmal bin ich schlecht gelaunt. Dann bin ich eben schlecht gelaunt. Auch das geht vorbei.

Vielleicht ist genau das Freiheit

Mit 50 ist das Leben nicht automatisch leichter. Es gibt weiterhin Sorgen, Verpflichtungen, Arbeit, Rechnungen und Menschen, die einem auf die Nerven gehen.

Aber ich habe das Gefühl, dass ich inzwischen viel weniger Energie darauf verwende, Erwartungen zu erfüllen, die eigentlich gar nicht meine sind.

Ich sage öfter Nein.

Ich lasse Dinge liegen.

Ich halte nicht jede Bekanntschaft künstlich am Leben.

Ich reise so, wie ich reisen möchte.

Ich fahre Vespa.

Ich esse das, was mir bekommt.

Ich trinke keinen Alkohol.

Und ich habe ganz sicher nicht weniger Spaß als früher.

Vielleicht sogar mehr.

Denn ich versuche nicht mehr ständig, so zu leben, wie man angeblich leben sollte.

Ich lebe einfach immer häufiger so, wie es zu mir passt.

Und das ist ziemlich befreiend.