Bologna mit dem Roller

Bologna mit dem Roller: Warum sich die Stadt nicht hinter Rom, Florenz oder Mailand verstecken muss

Rom ist spektakulär. Florenz ist ein einziges Museum. Mailand hat Mode, Design und dieses ganz eigene Großstadtgefühl. Und Bologna? Bologna wird erstaunlich oft nur als Zwischenstopp wahrgenommen. Als Stadt, in der man umsteigt, gut isst und dann weiterfährt.

Das ist ein Fehler.

Denn Bologna ist für mich eine dieser italienischen Städte, in denen man nicht ständig das Gefühl hat, eine Sehenswürdigkeitenliste abarbeiten zu müssen. Ich kann morgens einen Kaffee unter den Arkaden trinken, später auf den Roller steigen, mich durch die weniger touristischen Viertel treiben lassen und eine Stunde später irgendwo in den Hügeln der Emilia-Romagna sitzen.

Wer hoch klettert, wird einen guten Blick über Bologna erhaschen
Wer hoch klettert, wird einen guten Blick über Bologna erhaschen

Genau das ist meine Art zu reisen geworden. Ich muss nicht mehr 25 Sehenswürdigkeiten an einem Tag schaffen. Ich möchte eine Stadt erleben. Und dafür ist Bologna ziemlich perfekt.

Bologna macht es einem erstaunlich leicht

Schon nach wenigen Stunden fühlt sich Bologna anders an als viele der großen italienischen Touristenziele.

Natürlich gibt es auch hier Orte, die man gesehen haben sollte. Die Piazza Maggiore gehört dazu, die Basilika San Petronio, die beiden mittelalterlichen Türme und natürlich die berühmten Arkaden. Aber Bologna funktioniert auch wunderbar ohne Besichtigungsmarathon.

Die Stadt ist kompakt genug, um vieles zu Fuß zu entdecken, und groß genug, dass man immer wieder in Vierteln landet, die sich nicht wie eine Kulisse für Touristen anfühlen.

Die Arkaden tragen viel dazu bei. Kilometerlang kann man unter ihnen durch die Stadt laufen, geschützt vor Sonne oder Regen. Dazwischen liegen kleine Bars, Läden, Märkte und Restaurants.

Und überall: Roller.

Spätestens dann weiß ich wieder, warum ich Italien so mag.

Mit dem Roller durch Bologna: Freiheit mit ein paar Einschränkungen

Wer mich kennt, weiß, dass ich Städte gerne auf zwei Rädern entdecke. Auf einem Roller bekommt eine Stadt für mich sofort einen anderen Rhythmus.

Aber gerade in Bologna gilt: Nicht einfach blind dem Navi folgen.

Große Teile der Altstadt gehören zur sogenannten ZTL, der Zona a Traffico Limitato. In der historischen Innenstadt gelten täglich zwischen 7 und 20 Uhr Zufahrtsbeschränkungen. Zusätzlich gibt es besonders geschützte Bereiche, darunter Teile rund um Via Rizzoli, Via Indipendenza und Via Ugo Bassi, in denen strengere Regeln gelten.

Mein Tipp ist deshalb simpel: Mit einem Mietroller vorher genau klären, welche Zonen erlaubt sind. Die Innenstadt erkunde ich ohnehin lieber zu Fuß. Den Roller brauche ich für das, was außerhalb beginnt.

Und davon gibt es rund um Bologna jede Menge.

Bologna mit dem Roller: Das Fenster, das diesen Blick freigibt, wird jeder Bologna-Tourist aufsuchen
Das Fenster, das diesen Blick freigibt, wird jeder Bologna-Tourist aufsuchen

Seit April 2026 gilt außerdem auf großen Teilen des Stadtgebiets Tempo 30. Bologna hat 258 Kilometer Straßen entsprechenden Tempo-30-Regelungen zugeordnet. Wer auf dem Roller unterwegs ist, sollte also tatsächlich auf die Beschilderung achten und nicht automatisch davon ausgehen, dass innerorts 50 km/h erlaubt sind.

Erst einmal raus aus dem Zentrum

Einer meiner liebsten Momente auf einem Roller ist immer derselbe: der Augenblick, in dem der Stadtverkehr langsam weniger wird.

Man fährt noch an Wohnhäusern, Bars und kleinen Geschäften vorbei und plötzlich verändert sich die Landschaft.

Bologna liegt direkt am Übergang zwischen der Po-Ebene und dem Apennin. Das bedeutet: Man muss nicht erst zwei Stunden fahren, bevor es interessant wird.

Schon die Straßen in Richtung der südlich gelegenen Hügel machen Spaß.

Ein erster Abstecher: San Luca

Die Wallfahrtskirche Santuario della Madonna di San Luca gehört zwar zu den bekannten Sehenswürdigkeiten Bolognas, trotzdem würde ich sie nicht auslassen.

Sie liegt oberhalb der Stadt und ist über den berühmten Portikus mit Bologna verbunden. Zu Fuß ist der Aufstieg durchaus eine kleine sportliche Herausforderung.

Mit dem Roller ist es wesentlich entspannter.

Oben angekommen, bekommt man einen guten Eindruck davon, wie schnell Bologna in Grün übergeht. Gerade morgens oder später am Nachmittag ist das eine schöne kleine Tour, ohne gleich einen ganzen Reisetag zu verplanen.

Und danach? Nicht sofort zurück in die Innenstadt fahren. Einfach weiter.

Mit dem Roller in die Hügel der Emilia-Romagna

Aktuell empfiehlt auch Bologna Welcome mehrere Motorrad- und Rollertouren in die Umgebung, darunter Monteveglio, die Hügel Richtung Tolè, die Seen Suviana und Brasimone sowie längere Strecken über die Apenninpässe.

Dieser schnittige Italienerin hat alles geschafft, was ich wollte
Dieser schnittige Italienerin hat alles geschafft, was ich wollte

Für einen normalen Mietroller würde ich es allerdings entspannter angehen.

Sasso Marconi

Sasso Marconi liegt südlich von Bologna und ist für mich genau die richtige Entfernung für einen halben Tag. Die Straßen werden ruhiger, die Landschaft hügeliger und plötzlich ist von Großstadt kaum noch etwas zu merken.

Wer das Ganze kulinarisch verbinden möchte, findet hier mit der Antica Trattoria della Grotta dal 1918 eine Adresse, die auch 2026 als Bib-Gourmand-Empfehlung geführt wird. Sie liegt in den Hügeln von Sasso Marconi und setzt auf saisonale, traditionelle Küche.

Das ist genau die Art von Ausflug, die ich mag: keine monumentale Sehenswürdigkeit, die ich unbedingt fotografieren muss. Einfach fahren, irgendwo anhalten, essen und danach wieder zurück.

Monteveglio für einen entspannten Nachmittag

Eine weitere schöne Richtung ist Monteveglio westlich von Bologna. Auch diese Tour wird aktuell ausdrücklich als kurzer Motorradausflug empfohlen.

Das ist Emilia-Romagna ohne Großstadt.

Hügel, kleine Orte, Weinberge und Straßen, auf denen die Fahrt selbst das Ziel ist. Wer sich in Bologna für mehrere Tage einquartiert, sollte mindestens einen solchen Nachmittag freihalten.

Und dann wäre da noch Dozza

Wer einen ganzen Tag Zeit hat, kann mit dem Roller Richtung Dozza fahren. Dozza ist bekannt für seine bemalten Häuserfassaden und liegt südöstlich von Bologna in Richtung Imola. Der Ort ist klein genug, um ihn entspannt zu Fuß zu erkunden.

Genau solche Ziele gefallen mir inzwischen wesentlich besser als die großen Pflichtprogramme.

Keine kilometerlangen Warteschlangen. Kein „Das musst du gesehen haben“. Kein Reiseleiter mit hochgehaltenem Schirm.

Roller abstellen, durch die Gassen laufen, etwas trinken und weiterfahren. Mehr brauche ich manchmal gar nicht.

In Bologna dreht sich sehr viel ums Essen. Zu Recht.

Es gibt Städte, in denen Essen Teil des Reiseprogramms ist.

In Bologna ist Essen fast das Reiseprogramm.

Tagliatelle al ragù, Tortellini, Mortadella, Lasagne, Parmigiano Reggiano: Vieles, was wir ganz selbstverständlich mit italienischer Küche verbinden, stammt aus Bologna und der Emilia-Romagna oder ist eng mit der Region verbunden.

Dabei muss man keineswegs jeden Abend teuer essen.

Trattoria da Me: traditionell, aber nicht altmodisch

Eine Adresse, die ich mir merken würde, ist die Trattoria da Me in der Via San Felice 50A.

Sie wird im Michelin Guide 2026 weiterhin empfohlen und verbindet klassische emilianische Küche mit moderneren Ideen. Frische Pasta spielt natürlich eine Hauptrolle. Michelin hebt unter anderem die Tagliolini mit Friggione und Squacquerone hervor. Sonntags steht traditionell zubereitete Lasagne auf dem Programm.

Das ist für mich viel interessanter als ein Restaurant, das Tradition nur konserviert. Ich möchte italienisch essen, aber nicht das Gefühl haben, dass seit 1974 niemand mehr die Speisekarte angefasst hat.

Trattoria di Via Serra: raus aus dem touristischen Bologna

Noch interessanter finde ich Restaurants, für die man das unmittelbare Zentrum verlassen muss.

Die Trattoria di Via Serra liegt im Stadtteil Bolognina und gehört 2026 zu den Bib-Gourmand-Adressen des Michelin Guides. Bologna Welcome beschreibt sie ausdrücklich als unkomplizierte Trattoria abseits der üblichen Touristenroute. Die neue Adresse: Via Luigi Serra, 9b.

Genau mein Ding. Denn gerade in Städten wie Bologna lohnt es sich, beim Essen ein paar Straßen weiterzugehen als alle anderen.

All’Osteria Bottega: wenn ich klassische Emilia will

Für traditionelle emilianische Küche ohne große Experimente würde ich mir die All’Osteria Bottega in der Via Santa Caterina 51 notieren.

Frische Pasta, Wurstwaren, Fleischgerichte und klassische Desserts stehen hier im Mittelpunkt. Das Restaurant wird im Michelin Guide 2026 weiterhin empfohlen.

Hierher würde ich gehen, wenn ich genau das möchte, wofür Bologna berühmt ist. Keine Fusionküche. Keine Dekonstruktion des Tortellino. Einfach Emilia-Romagna.

Ahimè: Bologna kann auch modern

Dass Bologna kulinarisch nicht in der Vergangenheit lebt, zeigt Ahimè in der Via San Gervasio.

Das Restaurant arbeitet stark produktorientiert, unter anderem mit Zutaten aus einem biodynamisch bewirtschafteten Garten und nachvollziehbaren Lieferketten. Auch Ahimè wird 2026 als Bib Gourmand geführt.

Das wäre meine Wahl für einen Abend, an dem ich nach mehreren Tagen Tortellini und Tagliatelle einmal wissen möchte, wie die jüngere Bologneser Gastronomie tickt.

Osteria Bartolini: unter einem riesigen Baum essen

Noch eine Adresse für meine Liste: die Osteria Bartolini an der Piazza Malpighi.

Sie ist ungewöhnlich für Bologna, weil hier Fisch und mediterrane Küche im Mittelpunkt stehen. Das Besondere ist außerdem der Außenbereich unter einer großen Platane. Auch diese Osteria trägt 2026 den Bib Gourmand.

Gerade an warmen Abenden stelle ich mir das ziemlich perfekt vor.

Bologna funktioniert auch wunderbar für Frauen, die einfach ihr eigenes Ding machen wollen

Was mir an Städten wie Bologna gefällt: Ich muss keine organisierte Städtereise daraus machen. Ich kann morgens entscheiden, was ich an diesem Tag möchte. Kaffee trinken und Menschen beobachten? Dann bleibe ich im Zentrum.

An Rollern mangelt es nicht in Bologna - und es muss nicht immer eine Vespa sein
An Rollern mangelt es nicht in Bologna – und es muss nicht immer eine Vespa sein

Roller fahren? Dann geht es raus in die Hügel.

Shoppen? Dann laufe ich Richtung Via dell’Indipendenza oder schaue in den kleineren Straßen rund um das Zentrum.

Essen? Darüber müssen wir in Bologna wirklich nicht diskutieren.

Und wer allein unterwegs ist, findet genügend Cafés, Märkte und Restaurants, in denen man sich nicht merkwürdig vorkommt, nur weil man alleine am Tisch sitzt.

Gerade das ist mir auf Reisen inzwischen wichtig. Ich möchte nicht ständig Programm brauchen. Eine gute Stadt muss auch funktionieren, wenn ich einfach nur loslaufe. Bologna tut das.

Warum ich Bologna inzwischen spannender finde als manches berühmtere Ziel

Ich würde niemals sagen, man müsse Rom, Florenz oder Mailand nicht gesehen haben. Natürlich muss man einmal vor dem Pantheon stehen. Natürlich ist Florenz wunderschön. Natürlich kann man in Mailand Tage verbringen.

Bologna mit dem Roller: bevor es losgeht, lass ich mir von einer der beiden Schwestern von teavelhoo noch die bestens Spots auf einer Karte zeigen
Bologna mit dem Roller: bevor es losgeht, lass ich mir von einer der beiden Schwestern von teavelhoo noch die bestens Spots auf einer Karte zeigen

Aber irgendwann verändert sich die Art, wie man reist. Ich brauche heute nicht mehr alle zehn Minuten ein weltberühmtes Bauwerk.

Ich möchte morgens nicht wissen, wo ich abends landen werde. Ich möchte einen Roller mieten, eine Straße in Richtung Hügel nehmen und anhalten, wenn es irgendwo schön aussieht.

Ich möchte in einem Restaurant sitzen, weil ich dort essen möchte und nicht, weil es auf Platz drei einer Liste mit dem Titel „Die zehn wichtigsten Sehenswürdigkeiten Bolognas“ steht.

Und genau deshalb muss sich Bologna weder hinter Rom noch hinter Florenz oder Mailand verstecken.

Vielleicht ist es sogar gerade der Vorteil der Stadt, dass sie es nicht versucht. Bologna ist selbstbewusst genug, Bologna zu sein.

Rot, ein bisschen rau, jung wegen seiner Universität, gleichzeitig uralt, unglaublich gut im Essen und nach wenigen Kilometern plötzlich erstaunlich ländlich.

Für mich gehört deshalb bei einem Bologna-Trip ein Roller unbedingt dazu. Nicht, um schneller von Sehenswürdigkeit A nach Sehenswürdigkeit B zu kommen.

Sondern um irgendwann einfach an Bologna vorbeizufahren und zu sehen, was dahinter kommt. Und meistens beginnt genau dort der schönste Teil der Reise.