Sie traten immer gemeinsam auf, und sie verließen die Welt gemeinsam: Alice und Ellen Kessler (beide 89), die wohl berühmtesten Zwillinge der deutschen Unterhaltungsgeschichte, haben sich entschlossen, ihr Leben im hohen Alter selbstbestimmt zu beenden.
Das Inhaltsverzeichnis
Ihre Entscheidung löste eine Welle aus Anteilnahme, Debatten und leiser Bewunderung aus – nicht für die Tat selbst, sondern für die Art, wie sie bis zuletzt über ihr Leben verfügten.
Ein Leben wie im Gleichklang
Von den 1950er-Jahren an prägten die Kessler-Schwestern mit Disziplin, Eleganz und ihrer ikonischen Synchronität die Showbranche. Die beiden galten als Inbegriff von Professionalität und Zusammenhalt. Ihr öffentliches Bild war fast schon sprichwörtlich: Wo Alice war, war auch Ellen.
Dieser Gleichklang setzte sich in ihr Alter fort – ihre Lebensrealität wurde zunehmend von gesundheitlichen Einschränkungen und der Frage geprägt, wie sehr Verlust von Autonomie und körperlicher Freiheit noch mit ihrer Vorstellung von Würde vereinbar war.
Die Frage nach Selbstbestimmung
Die Schwestern sprachen seit Jahren offen darüber, dass sie keine langen Leidenswege erleben wollten. Als ihr gesundheitlicher Zustand sich verschlechterte, entschieden sie sich für einen begleiteten Freitod in der Schweiz – eine Option, die in Deutschland weiterhin juristisch umstritten und politisch ungelöst ist. Ihre Entscheidung berührte viele Menschen, gerade weil sie nicht aus Verzweiflung, sondern aus einer Haltung konsequenter Selbstbestimmung heraus getroffen wurde.
Dieser Akt ist keine Vorlage, kein Aufruf, keine Empfehlung — aber er verweist auf ein Thema, das viele Menschen beschäftigt: Wie viel Freiheit darf und soll ein Mensch über das eigene Lebensende haben?
Ein gesellschaftliches Thema, das bleibt
Die Kessler-Zwillinge haben mit ihrem Abschied erneut eine Diskussion entfacht, die rational kaum lösbar scheint, aber emotional jeden berührt: Wie gehen wir als Gesellschaft mit dem Altern um? Wie schützen wir Leben, ohne Autonomie zu entwerten? Wie schaffen wir Angebote der Fürsorge, ohne Menschen zu bevormunden?
Ihr Schritt zeigt, wie sehr diese Fragen drängen – und wie still und unbeachtet viele Menschen mit ihnen ringen.
Ein Abschied ohne Pathos, aber mit Haltung
Der gemeinsame Weg der Kessler-Zwillinge endet dort, wo er begonnen hat: Seite an Seite. Ihr letzter Schritt war Ausdruck einer lebenslangen Verbundenheit und einer Haltung, die sie stets verkörperten – Klarheit, Konsequenz und ein tiefes Verständnis füreinander.
Es bleibt der Respekt vor ihrer Entscheidung, die nicht bewertet, sondern verstanden werden will. Und die Erinnerung an zwei Frauen, die bis zuletzt das getan haben, was sie ihr Leben lang ausgezeichnet hat: Sie gingen ihren Weg gemeinsam.
Foto-Credit des Aufmacherbildes: Screenshot aus einem youtube-Video von WELT