So verlief mein zweites Tinder-Date

In meinem ersten Tinder-Erfahrungsbericht habe ich euch von meinem ersten Treffen mit einem Tinder-Date erzählt – jetzt erfahrt ihr, wie es weiterging. Denn dass Andre nicht der richtige Mann für mich war, könnt ihr hier nachlesen.

Meine Suche nach Mr. Perfect geht weiter

Andre war der richtige Mann zum falschen Zeitpunkt. Aber Aufgeben ist keine Option. Das Netz ist schließlich voll mit Männern, die ebenfalls auf der Suche nach einer Lebenspartnerin sind. Oder kann es sein, dass es doch um einiges schwieriger geworden ist als mit Anfang 20, 30 oder 40?

Man hat ja doch schon einige Beziehungen hinter sich und weiß besser, was überhaupt nicht mehr in Frage kommt bezüglich der Kompromisse, die man eingehen muss. Ich versuchte mein Glück also weiter bei Tinder – und wurde bald fündig.

Ich matche mit Stephan, 51 Jahre alt, keine Kinder, volle Haare, wunderschöne weiße Zähne – und Anwalt mit seriösen Absichten

Wir schrieben uns einige Male und er war super sympathisch und klug. Er überhäufte mich mit Komplimenten, schrieb, ich wäre genau sein Typ, blond und braunäugig und vor allem schlank. Er fragte sogar, ob ich Balletttänzerin sei. Das hat noch nie jemand vermutet und es ging an mir herunter wie Öl.

Auch er beschrieb sich als sehr sportlich, an Kultur interessiert und sinnenfreudig.  Er war außerdem Anwalt für Strafrecht, was auf viele,  interessante Gesprächsthemen hoffen ließ. Wir verabredeten uns ganz unkompliziert an einem Samstagabend bei mir um die Ecke in einem Restaurant.

Ich fieberte dem Samstagabend entgegen. Ging noch einmal zum Friseur, zog mich mehrmals um, bis ich das richtige Outfit hatte. Eine schwarze Schluppenbluse zu einem grauen Pencil-Skirt und schwarze Stiefelletten mit Blockabsatz. Das passte doch zu einem Date mit einem Anwalt –  und unterstrich meine schlanke Erscheinung, die ich mir hart erarbeitet hatte in den letzten Monaten!

Dann ging es los. Ich sah zu, dass ich 5 Minuten später da war, um vorher schon mal einen Blick auf Stephan zu riskieren. Leider war ich aber doch die Erste. Ein Schild an der Hafenküchen-Tür sagte „Geschlossene Gesellschaft“ – und war somit nicht der Ort für mein erstes Stephan-Date.

Zum Glück feierte eine meiner Nachbarinnen ihren Fünfzigsten und ich fragte, ob ich mich nicht einfach mit Stephan auf ihre Terrasse setzen und einen Wein trinken könne.  Alles kein Problem. Ich setzte mich und wartete. Auf einmal erschien jemand in der Ferne, dessen Gesicht ich als das von Stephan identifizierte. Aber was war mit dem Rest?

Der bekannte Kopf saß auf einem etwas zu kurz geratenen, kugelförmigen Körper. Oh Schreck! Ich hatte weder nach seiner Körpergröße gefragt, noch ein Ganzkörperfoto gesehen.  Panikartig suchte ich nach Fluchtmöglichkeiten. Doch er kam schnellen Schrittes näher, hatte mich schon freudestrahlend entdeckt und winkte mir zu.

Keine Chance mehr über den Zaun zu springen, unterm Tisch zu verschwinden oder mit einem Boot übers Wasser Reißaus zu nehmen

Ich saß da wie angenagelt und musste einen ziemlich merkwürdigen Gesichtsausdruck gehabt haben. Aber ich erwachte schnell aus der Schockstarre und riss mich zusammen. Schließlich bin ich ja nicht oberflächlich und wollte Stephan mit Wohlwollen begegnen. Aber ein bisschen hinters Licht geführt fühlte ich mich schon.

Rosewein
Ein Roséwein ist ein Roséwein, ist ein Roséwein

Wie war das mit sehr sportlich und seiner Vorliebe für schlanke Frauen? Sollte man da nicht dasselbe zu bieten haben? Zudem trug ich auch noch Blockabsätze, die mich ihn doch um einiges überragen ließen. Zum Glück saßen wir…

Ich bestellte erstmal ein großes Glas Rosè, um mich locker zu machen und das Gespräch ins Laufen zu bringen. Er erzählte aus seinem Leben und ich hörte mit offenem Mund zu. Wirklich bewundernswert und er hat eine spannende Vita. Leider bewirkte auch der zweite Rosè nichts, was seine (kugelige) Statur vergessen machte.

Sollte ich ihm die Wahrheit sagen? Ich konnte es nicht. Er war so nett und seine Lebensgeschichte berührte mich sehr. Er hätte es verdient, von mir in die Arme genommen zu werden, aber ich konnte es einfach nicht.

Nach einer Stunde löste ich das Date auf und faselte etwas von „muss mich um meinen kleinen Sohn kümmern“ und „freue mich schon auf ein nächstes Treffen mit ihm“. Er entschwand fröhlich in die Dunkelheit und ich ging zum Geburtstag meiner Nachbarin, um mir noch einen Rosè zu gönnen und mitzufeiern.

In den folgenden Tagen antwortete ich noch ein paarmal auf die Nachrichten von Stephan und ließ es dann langsam im Sand verlaufen. Das war dann wohl wieder nichts mit dem Mann fürs Leben!