Florenz gehört für mich zu den Städten, bei denen ich nicht lange überlegen muss, ob ich hin möchte. Italien, wunderschöne alte Häuser, gutes Essen, diese ganz besondere Mischung aus Kunst und Alltag und vor der Tür eine Landschaft, die geradezu danach ruft, mit dem Roller entdeckt zu werden.
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Ich war schon 2008 mit dem Roller in Florenz und der Toskana unterwegs. Damals war Reisen noch ein bisschen anders. Google Maps steckte praktisch noch in den Kinderschuhen, das Smartphone war längst nicht der ständige Reisebegleiter von heute und wenn man irgendwo falsch abbog, dann fuhr man eben weiter. Rückblickend war genau das manchmal das Schönste daran.
Florenz selbst ist natürlich ein einziges Freilichtmuseum. Aber wer die Stadt wirklich erleben möchte, sollte nicht versuchen, innerhalb von zwei Tagen 25 Sehenswürdigkeiten abzuhaken. Florenz wird viel interessanter, wenn man irgendwann aufhört, nur von Museum zu Museum zu laufen.
Und genau das ist mein Tipp: Seht euch die großen Sehenswürdigkeiten an, aber lasst euch danach treiben.
Von Berlin nach Florenz: Heute geht es sogar direkt
Florenz ist von Berlin aus gut erreichbar. Für Reisen ab dem 22. September 2026 wird es sogar besonders bequem: Volotea nimmt eine neue Direktverbindung vom BER nach Florenz auf und will die Strecke zweimal pro Woche bedienen (ganz so günstig sind die Flüge aber leider nicht).
Der Flughafen von Florenz liegt nah an der Stadt. Wer ein paar Tage bleibt, braucht in Florenz selbst eigentlich kein Fahrzeug. Vieles lässt sich wunderbar zu Fuß erreichen.
Ich würde einen Roller deshalb auch heute nicht unbedingt gleich am Flughafen übernehmen. Erst einmal ankommen, Tasche ins Hotel bringen, einen Espresso trinken und Florenz zu Fuß kennenlernen. Der Roller kommt später ins Spiel, wenn es hinaus aus der Stadt geht.
Der Dom: Ja, den muss man gesehen haben
Es gibt Sehenswürdigkeiten, bei denen ich inzwischen relativ entspannt bin. Ich muss nicht mehr in jede Kirche und nicht mehr auf jeden Turm. Beim Dom von Florenz, Santa Maria del Fiore, mache ich eine Ausnahme.
Wenn man zum ersten Mal auf die Piazza del Duomo kommt und vor Brunelleschis gewaltiger Kuppel steht, versteht man sofort, warum Florenz zu den großen europäischen Kunststädten gehört. Zum Komplex gehören außerdem das Baptisterium und Giottos Campanile.
Mein Tipp ist trotzdem: nicht nur davorstehen, Foto machen, weiterlaufen.
Kommt noch einmal früh am Morgen vorbei. Dann fühlt sich die Piazza völlig anders an als mitten am Tag. Florenz ist morgens ohnehin besonders schön, wenn die Reisegruppen noch beim Frühstück sitzen und die Stadt langsam wach wird.
Piazza della Signoria und Palazzo Vecchio
Von dort ist es nicht weit zur Piazza della Signoria mit dem Palazzo Vecchio. Auch wenn man keine Lust auf einen weiteren Museumsbesuch hat, sollte man hier eine Weile bleiben. Die Piazza ist einer dieser Plätze, an denen man automatisch anfängt, nach oben zu schauen. Statuen, Paläste, Arkaden, Straßen, die irgendwo zwischen den Häusern verschwinden.
Gleich daneben liegen die Uffizien. Wer Renaissancekunst liebt, kommt daran eigentlich nicht vorbei. Wer damit weniger anfangen kann, muss sich aber auch nicht verpflichtet fühlen, stundenlang durch Gemäldesäle zu laufen, nur weil man nun einmal in Florenz ist. Der Ursprung der Uffizien Florenz stammt übrigens aus der Glanzzeit der Republik Florenz, einer der wichtigsten italienischen Museen und das meistbesuchte, es ist auch eines der größten und bekanntesten der Welt.
Das habe ich mit zunehmendem Alter beim Reisen gelernt: Ich darf eine Stadt so erleben, wie sie mir gefällt.

Ponte Vecchio: touristisch und trotzdem schön
Natürlich ist die Ponte Vecchio voll. Natürlich gibt es hier viele Besucher. Und natürlich gehört sie trotzdem zu Florenz. Die heutige Brücke stammt im Wesentlichen aus dem 14. Jahrhundert. Seit dem 16. Jahrhundert befinden sich hier Goldschmiede, darüber verläuft der berühmte Vasari-Korridor.
Interessant ist, dass dieser Corridoio Vasariano nach langer Schließung seit Dezember 2024 wieder zugänglich ist. Er verbindet die Uffizien über die Ponte Vecchio mit der anderen Seite des Arno in Richtung Palazzo Pitti.
Ich würde die Ponte Vecchio am Abend besuchen. Dann vielleicht nicht sofort zurück ins historische Zentrum gehen, sondern weiterlaufen. Denn auf der anderen Seite des Arno beginnt für mich eines der schönsten Florenz-Erlebnisse überhaupt.
Oltrarno: Hier würde ich heute wohnen
Oltrarno bedeutet schlicht die andere Seite des Arno. Und genau hier würde ich bei einer nächsten Reise wahrscheinlich mein Hotel oder Apartment suchen.

Rund um Santo Spirito, San Frediano und Porta Romana gibt es noch viele kleine Werkstätten und Handwerksbetriebe. Florenz ist bis heute bekannt für Schmuck, Leder, Textilien, Holzarbeiten und andere traditionelle Gewerke. Die offizielle Tourismusseite beschreibt gerade dieses Dreieck im Oltrarno als ein Zentrum der florentinischen Handwerkskultur.
Hier muss man nichts Besonderes tun.
Durch die Straßen laufen. In kleine Läden schauen. Sich auf die Piazza Santo Spirito setzen. Einen Kaffee trinken. Später einen Aperitivo bestellen. Das ist für mich inzwischen ohnehin die schönste Art, eine italienische Stadt zu erleben.
Einmal hoch zum Piazzale Michelangelo
Wenn ihr nur einen Aussichtspunkt in Florenz besucht, dann den Piazzale Michelangelo.
Von dort sieht man den Dom, den Palazzo Vecchio, Santa Croce, den Arno, die Ponte Vecchio und dahinter die Hügel der Toskana. Und genau hier kommt für mich der Roller ins Spiel.
Mit dem Roller durch Florenz und hinauf in die Hügel zu fahren, ist ein vollkommen anderes Gefühl, als in einem Bus zu sitzen. 2008 war das für mich Freiheit pur.
Noch schöner wird es, wenn man vom Piazzale Michelangelo weiter hinauf Richtung San Miniato al Monte fährt. Plötzlich liegt Florenz unter einem und der Trubel der Innenstadt wirkt erstaunlich weit weg.
Wer heute mit einem gemieteten Roller unterwegs ist, sollte allerdings nicht einfach blind dem Navi folgen. In Florenz gibt es verkehrsbeschränkte Bereiche und Zufahrtsregeln. Deshalb immer beim Vermieter nachfragen, wo man fahren und parken darf.
Hier einige Rollerverleiher in Florenz:
So erlebt man Florenz ein bisschen mehr wie eine Einheimische
Natürlich wird man nach vier Tagen Florenz nicht zur Florentinerin. Man kann aber ziemlich schnell aufhören, sich ausschließlich zwischen den größten Sehenswürdigkeiten zu bewegen.
Ich würde beispielsweise morgens zum Mercato di Sant’Ambrogio gehen. Der Markt ist deutlich mehr als eine Kulisse für Touristen. Er gehört nach wie vor zum Alltag des Viertels und ist montags bis samstags vormittags geöffnet. Hier würde ich Lebensmittel anschauen, Käse probieren, etwas Kleines essen und beobachten, was die Florentiner selbst kaufen.
Auch der Mercato Centrale bei San Lorenzo lohnt sich. Mir gefällt Sant’Ambrogio aber besser, wenn es um das Gefühl einer echten Nachbarschaft geht. Die Stadt selbst bezeichnet beide Märkte als besonders lebendige und authentische Orte im Zentrum.
Und dann: nicht jeden Kaffee im Sitzen trinken. Einfach einmal an der Bar einen Espresso bestellen, kurz stehen bleiben und weitergehen.
Genau diese kleinen Dinge machen Italien für mich aus.
Mit dem Roller raus aus Florenz
Spätestens nach zwei oder drei Tagen würde ich den Roller nehmen und die Stadt verlassen. Denn Florenz ist fantastisch, aber die Landschaft drum herum gehört für mich unbedingt zu einer Florenz-Reise dazu.
Eine der klassischen Strecken führt über die Chiantigiana, die SR 222, von Florenz Richtung Siena. Sie verläuft durch das Chianti-Gebiet und führt unter anderem über Greve und weiter Richtung Panzano und Castellina. Die Strecke von Florenz bis Siena beträgt je nach Route ungefähr 70 Kilometer.
Weinberge, Olivenhaine, Zypressen, kleine Ortschaften und immer wieder diese Ausblicke, bei denen man automatisch anhält.
Mit dem Roller sollte man daraus keinen Wettbewerb machen. Ich würde nicht versuchen, Florenz, Greve, San Gimignano und Siena irgendwie an einem einzigen Tag abzuhaken. Lieber langsam fahren, irgendwo einen Kaffee trinken und auch einmal rechts abbiegen, nur weil die Straße schön aussieht.
Siena musste für mich sein, schon wegen Gianna Nannini
Und dann gibt es für mich natürlich noch einen sehr persönlichen Grund, nach Siena zu fahren: Gianna Nannini. Wer mich kennt, weiß, dass ich Gianna liebe. Also war eine Fahrt nach Siena für mich keine Frage.

Gianna Nannini wurde 1954 in Siena geboren und stammt aus der Contrada dell’Oca, der Gänse-Contrade. Sie wuchs in einer Familie von Süßwarenherstellern auf, bevor sie Siena verließ und ihre Musikkarriere begann. Das Café ihrer Eltern zu übernehmen, kam für die quirlige Italienerin, die kommenden Samstag in der Berliner Waldbühne ein großes Jubiläumskonzert (fünfzig Jahre nach der Veröffentlichung ihres selbstbetitelten Debütalbums) geben wird, nie in Frage.
Für mich bekommt eine Stadt sofort noch einmal eine andere Bedeutung, wenn ich sie mit einem Menschen verbinde, dessen Musik mich seit Jahren begleitet.
Aber Siena braucht Gianna Nannini natürlich nicht, um sehenswert zu sein.
Was man in Siena unbedingt sehen sollte
Erster Halt ist die Piazza del Campo. Der muschelförmige Platz ist das Herz der Stadt und Schauplatz des berühmten Palio. Hier stehen der Palazzo Pubblico und die Torre del Mangia.
Dann der Dom von Siena. Schon die schwarz-weiße Fassade ist beeindruckend, im Inneren wartet einer der außergewöhnlichsten Marmorböden Italiens. Auch die Libreria Piccolomini gehört für mich hinein.
Danach würde ich wieder genau das machen, was ich auch in Florenz empfehle: den Stadtplan wegstecken.
Siena lebt von seinen engen Gassen, den Contraden und den plötzlichen Ausblicken zwischen Häusern. Manchmal läuft man fünf Minuten bergauf und fragt sich, warum man sich das antut. Dann biegt man um eine Ecke und weiß es wieder.
Die Stadt lässt sich wunderbar zu Fuß entdecken. Auch die offizielle Tourismusorganisation hebt genau die Atmosphäre, die mittelalterliche Architektur und die gute Erkundbarkeit zu Fuß hervor.
Und wenn noch Zeit ist: San Gimignano, Greve und das Chianti
Wer mehrere Tage zur Verfügung hat, sollte Florenz nicht als einziges Ziel betrachten, sondern als Basis. Greve in Chianti ist ein schöner erster Stopp. Die Piazza Matteotti bildet das Zentrum des Ortes, danach kann man weiter durch die Chianti-Landschaft fahren.
Auch San Gimignano würde ich einplanen. Die berühmten Geschlechtertürme erkennt man schon von weitem. Natürlich ist der Ort kein Geheimtipp, aber das ist der Eiffelturm auch nicht. Manchmal sind Sehenswürdigkeiten eben berühmt, weil sie wirklich schön sind.
Wer mehr Zeit hat, kann außerdem über Panzano, Castellina in Chianti oder Radda in Chianti fahren. Man muss daraus keine perfekte Rundreise bauen. Für mich liegt der Reiz gerade darin, unterwegs zu sein.
Florenz allein als Frau? Würde ich jederzeit wieder machen
Ich höre gerade bei Reiseberichten von Frauen immer wieder die Frage: Kann ich das auch allein machen? Bei Florenz wäre meine Antwort eindeutig: ja.
Natürlich bedeutet allein reisen nicht, sämtliche Vorsicht zu vergessen. Das Auswärtige Amt weist für Italien vor allem auf Taschendiebstähle in Touristenzentren, an Bahnhöfen und anderen stark frequentierten Orten hin.
Also dieselben Dinge beachten, die ich auch in Barcelona, Paris oder Rom beachten würde: Tasche nicht offen herumtragen, Wertsachen nicht auf dem Restauranttisch liegen lassen und nachts lieber eine beleuchtete Straße nehmen als irgendeine Abkürzung durch eine menschenleere Gasse.
Aber ich würde mir Florenz, Siena oder eine Rollerfahrt durch die Toskana nicht deshalb ausreden lassen, weil ich eine Frau bin.
Im Gegenteil. Gerade diese Art zu reisen kann unglaublich schön sein. Man entscheidet selbst, wann man losfährt, wie lange man irgendwo bleibt und ob man heute überhaupt noch ein Museum sehen möchte.
Niemand beschwert sich, wenn man eine Stunde auf einer Piazza sitzt. Niemand will unbedingt weiter, wenn man gerade noch einen Espresso trinken möchte.
Und wenn man auf dem Roller plötzlich eine Straße sieht, die zwischen Zypressen und Weinbergen verschwindet, kann man einfach abbiegen.
Mein Florenz ist größer als Florenz
Wenn ich heute an Florenz denke, denke ich deshalb nicht nur an den Dom und die Ponte Vecchio. Ich denke an meinen Roller. An die Straßen durch die Toskana. An Siena. An Gianna Nannini. An dieses Gefühl, irgendwo unterwegs zu sein und für einen Moment nicht zu wissen, was hinter der nächsten Kurve kommt.
Die großen Sehenswürdigkeiten von Florenz sollte man gesehen haben. Aber das eigentliche Erlebnis beginnt für mich dort, wo man den Reiseführer zuklappt.
Florenz anschauen, Roller starten und raus in die Toskana. Genau so würde ich es wieder machen.
Wenn ihr ebenfalls gerne auf eigene Faust unterwegs seid, findet ihr bei den Auskennerinnen weitere persönliche Reisetipps für Europa und darüber hinaus.
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