Letztes Update am 14. September 2026 von Marion
Das Inhaltsverzeichnis
Es gibt Hobbys, bei denen man nach Feierabend still an einem Tisch sitzt. Und dann gibt es Samba. Große Trommeln, kleine Trommeln, Glocken, Shaker, Bewegung, Konzentration und ein Rhythmus, den man irgendwann nicht mehr nur hört, sondern im ganzen Körper spürt.
Genau darum geht es bei Heartbeat Brazil. Hinter dem Namen stehen heute gleich zwei Trommelgruppen: die HeartBeaters Berlin und Vida Colorida aus Oehna im südlichen Brandenburg. Beide werden von Pamela Rehfeld geleitet und beide zeigen ziemlich eindrucksvoll, dass man für Samba weder in Brasilien geboren sein noch seit seiner Kindheit ein Instrument spielen muss.
Im Gegenteil: Neue Mitspielerinnen und Mitspieler sind ausdrücklich willkommen. Bei den HeartBeaters gibt es in Berlin einen eigenen Anfängerkurs, in den man jederzeit einsteigen kann. Und auch bei Vida Colorida kann man ohne Vorkenntnisse anfangen. Instrumente stehen für den Einstieg zur Verfügung.
Das macht Heartbeat Brazil gerade für Menschen interessant, die vielleicht schon länger denken: Ich würde gerne noch einmal etwas völlig Neues ausprobieren.
HeartBeaters Berlin: seit mehr als 20 Jahren Samba in der Hauptstadt
Die Geschichte der Berliner Gruppe reicht bis ins Jahr 2002 zurück. Damals wurde sie zunächst unter dem Namen Mancha Azul gegründet. Ab 2006 entwickelte sich daraus durch den Zusammenschluss verschiedener Schülergruppen von Pamela Rehfeld die heutige Formation der HeartBeaters. Seitdem ist die Gruppe auf Straßenfesten, Festivals, Sportveranstaltungen und Sambaevents unterwegs.

Dabei geht es nicht darum, brasilianische Rhythmen einfach möglichst originalgetreu nachzuspielen. Die HeartBeaters entwickeln Arrangements, kombinieren unterschiedliche Einflüsse und arbeiten mit Breaks, Übergängen und Choreografien.
Musikalisch reicht das Spektrum von Samba-Reggae und klassischer Samba Batucada über Congo, Ijexá und Samba duro bis zu moderneren Einflüssen. Als musikalische Vorbilder nennt die Gruppe unter anderem bekannte Formationen aus Salvador da Bahia wie Olodum, Muzenza, Ilê Aiyê oder Timbalada.
Und das merkt man auch bei den Auftritten. Die HeartBeaters stehen nicht einfach nebeneinander und trommeln ein Stück herunter. Kostüme, Bewegung und kleine Choreografien gehören ebenfalls dazu. Dadurch wirken die Auftritte eher wie kleine Shows, bei denen Musik und Bewegung zusammengehören.
In den vergangenen Jahren war die Gruppe beispielsweise beim Bremer Karneval, bei der Fête de la Musique, beim Rixdorfer Weihnachtsmarkt, beim Bergmannstraßenfest und beim Sambafestival Bad Wildungen zu erleben.
Wer steckt hinter Heartbeat Brazil?
Die musikalische Leitung liegt bei Pamela Rehfeld. Sie hat unter anderem eine Percussion-Fortbildung bei Dudu Tucci absolviert, verfügt über eine klassische und afrobrasilianische Tanzausbildung und hat sich über Jahre in Musik und Tanz weitergebildet. Hinzu kommen mehrere Studienaufenthalte in Salvador da Bahia in Brasilien. Neben den HeartBeaters war beziehungsweise ist sie auch musikalisch bei anderen Sambaprojekten aktiv.

Das erklärt vielleicht auch, warum bei Heartbeat Brazil Trommeln und Bewegung so eng zusammengehören.
Denn Samba ist eben nicht nur die Frage, ob man im richtigen Moment mit einem Stick auf eine Trommel schlägt. Entscheidend ist das Zusammenspiel. Eine Surdo gibt einen tiefen Grundpuls vor, andere Instrumente setzen Akzente, antworten darauf oder treiben den Rhythmus weiter.
Ein einzelner Schlag klingt zunächst vielleicht unspektakulär. Zwanzig oder dreißig Menschen, die unterschiedliche rhythmische Ebenen miteinander verbinden, sind etwas völlig anderes.
Und genau dieses Zusammenspiel muss man lernen.
Noch nie getrommelt? Das ist kein Problem
Wer beim Wort Sambagruppe sofort denkt, man müsse dafür musikalische Vorkenntnisse mitbringen, kann diesen Gedanken wieder vergessen.
Der Berliner Anfängerkurs findet montags von 18 bis 21 Uhr statt. Der eigentliche Unterricht läuft von 18.30 bis 20.30 Uhr, davor werden gemeinsam die Instrumente aufgebaut, anschließend wieder weggeräumt.
Besonders sympathisch finde ich dabei einen Punkt: Der Einstieg ist jederzeit möglich.
Man muss also nicht auf den Beginn eines halbjährlichen Kurses warten und auch nicht bereits Noten lesen können. Im Unterricht lernen die Teilnehmerinnen und Teilnehmer verschiedene Instrumente kennen. Innerhalb der Gruppe wird gewechselt, sodass man ausprobieren kann, was einem liegt. Gearbeitet wird unter anderem mit einer einfachen Form der Notenlehre und mit praktischen Übungen.
Die Instrumente sind vor Ort vorhanden. Wer länger dabei bleibt, sollte sich irgendwann eigene Sticks und einen Gurt zulegen. Ein Gehörschutz wird ebenfalls empfohlen. Die erste Probestunde ist kostenlos.
Das senkt die Einstiegshürde erheblich. Man muss nicht zuerst eine Trommel kaufen und anschließend feststellen, dass einem ein anderes Instrument eigentlich viel besser gefällt.
Der Anfängerkurs findet in der Samba-Etage in der Musikfabrik, Neuköllnische Allee 6 bis 8 in Berlin-Neukölln statt. Die nächstgelegenen S-Bahnhöfe sind Sonnenallee und Köllnische Heide.
Vom ersten Rhythmus bis zur Auftrittsgruppe
Wer bereits Erfahrung mitbringt oder irgendwann mehr möchte, kann in der Berliner Auftrittsgruppe weitermachen.
Sie probt mittwochs ebenfalls von 18 bis 21 Uhr. Auch hier liegt die eigentliche Unterrichtszeit zwischen 18.30 und 20.30 Uhr. Die Gruppe arbeitet an Rhythmen und Arrangements, die später bei Veranstaltungen gespielt werden.
Damit gibt es eine ziemlich angenehme Entwicklungsmöglichkeit: Niemand muss beim ersten Besuch darüber nachdenken, irgendwann vor Tausenden Menschen beim Berlin-Marathon zu stehen. Zunächst kann man ausprobieren, lernen und herausfinden, welches Instrument überhaupt zu einem passt.
Und wenn aus dem Ausprobieren irgendwann Begeisterung wird, wartet bereits die nächste Stufe.
Vida Colorida: Samba mitten auf dem Land
Heartbeat Brazil gibt es aber nicht nur in Berlin.
Seit 2019 existiert in Oehna im Landkreis Teltow-Fläming die zweite Gruppe Vida Colorida. Oehna liegt zwischen Jüterbog und Herzberg in einer Gegend, die man wahrscheinlich nicht als Erstes mit brasilianischen Rhythmen verbinden würde.

Genau das macht die Gruppe interessant.
Hier wird der Gemeinderaum einmal pro Woche zur Samba-Probe. Dienstags von 18.30 bis 20.30 Uhr wird gemeinsam getrommelt. Unterstützt wird das Projekt vom Dorf- und Heimatverein Oehna.
Auch bei Vida Colorida sind Anfängerinnen und Anfänger ausdrücklich willkommen. Gleichzeitig können Menschen mit Trommelerfahrung einsteigen. Zur Verfügung stehen unterschiedliche Instrumente, darunter Surdos, Snares, Timbas, Repiniques, Glocken, Chocalhos und Tamborins. Für den Anfang braucht man daher auch hier vor allem eines: Lust darauf, es auszuprobieren.
Ich finde gerade diese Mischung spannend. Samba ist nicht an Großstädte gebunden. Ein Gemeinderaum auf dem Land kann genauso gut zum Proberaum für brasilianisch inspirierte Rhythmen werden wie eine Musikschule in Berlin-Neukölln.
Warum Trommeln auch mit 40, 50 oder 60 ein gutes neues Hobby sein kann
Auf Auskennerinnen.de geht es oft um die Frage, was wir mit zunehmendem Alter eigentlich noch alles anfangen können. Und manchmal lautet die Antwort erstaunlich simpel: etwas, das wir noch nie gemacht haben.
Wir müssen nicht mit 50 plötzlich anfangen, ausschließlich vernünftige Freizeitbeschäftigungen auszuwählen.
Man darf laut sein.
Man darf etwas Neues lernen.
Man darf bei der ersten Probe völlig ahnungslos vor einer großen Trommel stehen und sich fragen, welcher Stick eigentlich wohin gehört.
Und man darf feststellen, dass Rhythmus vermutlich wesentlich mehr mit Übung als mit einem mysteriösen angeborenen Talent zu tun hat.

Gerade eine Trommelgruppe hat gegenüber vielen anderen Hobbys einen großen Vorteil: Man macht etwas gemeinsam. Es geht nicht darum, allein zu Hause ein Instrument perfekt zu beherrschen. Der eigentliche Klang entsteht erst dadurch, dass mehrere Menschen ihre unterschiedlichen Parts zusammensetzen.
Das bedeutet natürlich auch Konzentration. Man muss zuhören, reagieren, zählen und gleichzeitig seinen eigenen Rhythmus halten. Aber genau darin liegt vermutlich ein großer Teil des Reizes.
HeartBeaters live: Diese Auftritte stehen 2026 noch an
Wer sich das Ganze erst einmal ansehen und vor allem anhören möchte, hat im September 2026 noch mehrere Möglichkeiten.
Dies sind die folgenden Auftritte:
- 19. September 2026: CSD Jüterbog, Begrüßung auf dem Marktplatz gegen 15 Uhr
- 25. September 2026: Auftritt zum 20-jährigen Bestehen einer Physiotherapie-Praxis in Niedergörsdorf
- 27. September 2026: Berlin-Marathon im Bereich Gneisenaustraße/Baerwaldstraße
Zuvor waren die HeartBeaters 2026 bereits bei One Billion Rising vor dem Brandenburger Tor, beim Berliner Halbmarathon, beim Frauenlauf im Tiergarten, bei der Eröffnung des Festivals „Zurück zu den Wurzeln“, bei der Fête de la Musique und am 12. September beim Fürstentag in Jüterbog dabei.
Gerade der Berlin-Marathon dürfte eine gute Gelegenheit sein, die Gruppe einmal in Aktion zu erleben. Bei einem Straßenlauf gehört Musik schließlich nicht nur zum Rahmenprogramm. An den Streckenpunkten entsteht durch Trommelgruppen oft genau die Stimmung, die Läuferinnen und Läufer auf den letzten Kilometern noch einmal antreibt.
Einfach einmal ausprobieren
Wer jetzt denkt: „Klingt gut, aber ich kann doch gar nicht trommeln“, hat eigentlich schon die wichtigste Voraussetzung erfüllt.
Denn dafür gibt es den Anfängerkurs.
Die HeartBeaters schreiben ausdrücklich, dass ein Einstieg jederzeit möglich ist. Auch bei Vida Colorida sind Menschen ohne Vorerfahrung willkommen. In Berlin ist die erste Probestunde zudem kostenlos.
Mehr braucht es für den Anfang nicht.
Vielleicht stellt man nach zwei Stunden fest, dass Samba doch nicht das Richtige ist. Vielleicht wartet man anschließend aber auch plötzlich die ganze Woche darauf, dass endlich wieder Montag oder Dienstag ist.

Und genau deshalb gehören solche Gruppen für mich auf Auskennerinnen.de: weil sie zeigen, dass neue Hobbys kein Verfallsdatum haben.
Manchmal braucht es dafür keinen großen Neustart.
Manchmal reichen ein Paar Sticks, eine Trommel und der Mut, beim ersten Schlag einfach mitzumachen.
Weitere Informationen zu den Gruppen, den Kursen, aktuellen Auftritten und Kontaktmöglichkeiten gibt es direkt bei Heartbeat Brazil.