Letztes Update am 23. September 2026 von Marion
Das Inhaltsverzeichnis
Manchmal reicht ein Film, und man ist gedanklich sofort wieder an einem Ort, an dem man schon einmal war. Bei mir war es „Spaziergang nach Syrakus“, der 2026 ins Kino gekommen ist. Charly Hübner spielt darin Paul Gompitz, einen Mann aus der DDR, dessen großer Traum es ist, nach Syrakus auf Sizilien zu reisen. Der Film basiert auf Motiven aus Friedrich Christian Delius’ Erzählung „Der Spaziergang von Rostock nach Syrakus“, die wiederum von einer wahren Fluchtgeschichte inspiriert wurde.
Und während andere beim Zuschauen vielleicht darüber nachdenken, wie unglaublich weit Syrakus für einen DDR-Bürger Anfang der 1980er-Jahre entfernt gewesen sein muss, dachte ich vor allem: Da war ich. Und ich will wieder hin.
Denn Sizilien ist eine dieser Inseln, die bei mir hängen geblieben sind. Nicht nur wegen des Meeres und des Essens. Sizilien ist laut, manchmal etwas chaotisch, stellenweise bröckelig, wunderschön und überhaupt nicht glattgebügelt.
Ich war in Catania, Syrakus und Punta Secca im Süden Siziliens, außerdem in Ragusa und natürlich am Ätna. Und tatsächlich war ich dieses Mal nicht ausschließlich mit der Vespa unterwegs, sondern ausnahmsweise auch mit einem Mietwagen.
Für Sizilien war das keine schlechte Entscheidung.
Catania: nicht hübsch im klassischen Sinn und genau deshalb interessant
Catania liegt zwischen dem Ionischen Meer und dem Ätna. Der Vulkan gehört hier nicht einfach zur Landschaft. Er ist ständig präsent. Selbst wenn man ihn gerade nicht sieht, weiß man, dass er da ist.

Die Stadt selbst wirkt rauer als viele der italienischen Städte, die man aus Hochglanzreiseführern kennt. Viele Gebäude bestehen aus dunklem Lavagestein, dazwischen stehen prachtvolle barocke Fassaden. Italia.it beschreibt Catania treffend als eine Stadt zwischen Ätna und Meer, geprägt von Barock, Geschichte und einer sehr lebendigen Atmosphäre.
Ich würde hier nicht versuchen, möglichst viele Sehenswürdigkeiten innerhalb eines Tages abzuhaken.
Lieber über die Piazza del Duomo laufen, den Elefantenbrunnen anschauen, durch die Straßen rund um die Via Etnea gehen und sich Zeit für einen Markt nehmen. Gerade das ist für mich Sizilien: irgendwo stehen bleiben, einen Espresso trinken und einfach beobachten.
Und natürlich essen. Arancini, Pasta alla Norma, Cannoli, Granita. Wer auf Sizilien Kalorien zählt, hat meiner Ansicht nach das falsche Reiseziel gewählt.
Mit dem Auto auf den Ätna
Einer der Höhepunkte war für mich die Fahrt auf den Ätna. Und genau für solche Ausflüge ist das Auto praktisch. Von der Küste fährt man immer weiter hinauf und die Landschaft verändert sich permanent. Erst Häuser, Zitrusbäume und Vegetation. Dann Wälder. Und irgendwann wird die Umgebung dunkel, karg und fast unwirklich. Die Fahrt nach oben habe ich mit der Gondel absolviert. Das ist ein Highlight, das ihr nicht verpassen solltet.
Der Ätna ist einer der aktivsten Vulkane der Welt und gehört seit 2013 zum UNESCO-Welterbe.
Man muss übrigens nicht bis zum höchsten erreichbaren Punkt fahren beziehungsweise laufen, damit sich der Ausflug lohnt. Schon die Fahrt hinauf ist ein Erlebnis.

Ein klassischer Ausgangspunkt auf der Südseite ist das Rifugio Sapienza bei Nicolosi. Von dort führt eine Seilbahn weiter hinauf. Sie erreicht ungefähr 2.500 Meter Höhe; je nach Bedingungen kann es anschließend mit Geländefahrzeugen und geführten Touren weitergehen.
Wichtig: Der Ätna ist ein aktiver Vulkan. Welche Bereiche zugänglich sind, kann sich ändern. Deshalb vor der Fahrt unbedingt die aktuelle Lage prüfen.
Und selbst bei Sonne an der Küste würde ich etwas Wärmeres mitnehmen. Oben ist Sizilien plötzlich ein ganz anderes Sizilien.
Syrakus: Jetzt verstehe ich den Traum vom Spaziergang
Und dann natürlich Syrakus.
Wenn man den Film „Spaziergang nach Syrakus“ gesehen hat, bekommt der Name noch einmal eine andere Bedeutung. Für Paul Gompitz ist Syrakus nicht einfach ein Urlaubsort. Es steht für Freiheit, für einen lange unerreichbaren Traum und für die Möglichkeit, die Welt selbst zu sehen.

Heute steigt man in Berlin ins Flugzeug und ist wenige Stunden später auf Sizilien. Man vergisst leicht, was für ein Luxus diese Freiheit ist.
Das Herz von Syrakus ist für mich eindeutig Ortigia.
Die kleine Insel bildet den ältesten Teil der Stadt und ist über zwei Brücken mit dem Festland verbunden. Gerade einmal etwas mehr als einen Quadratkilometer groß, steckt sie voller Geschichte. Hier liegen unter anderem der Dom, die Fonte Aretusa, Überreste des Apollontempels und an der Spitze der Insel das Castello Maniace.
Aber wieder gilt: nicht nur von Sehenswürdigkeit zu Sehenswürdigkeit rennen.
Ortigia ist ein Ort zum Herumlaufen. Kleine Gassen, Balkone, Wäsche, Cafés, das Meer plötzlich am Ende einer Straße. Am besten einfach losgehen.
Syrakus ist außerdem sehr viel älter als das barocke Ortigia vermuten lässt. Die Stadt wurde in der Antike zu einem der bedeutendsten Zentren der griechischen Welt; Syrakus und die nahe Nekropole von Pantalica gehören seit 2005 zum UNESCO-Welterbe.
Wer sich für die Antike interessiert, sollte deshalb auch den Archäologischen Park Neapolis mit dem griechischen Theater einplanen.
Punta Secca: Plötzlich steht man vor Montalbanos Haus
Noch persönlicher wurde Sizilien für mich in Punta Secca. Wer die Bücher von Andrea Camilleri oder die Fernsehserie „Commissario Montalbano“ kennt, dürfte diesen kleinen Küstenort sofort wiedererkennen.
In Camilleris Romanen lebt Montalbano im fiktiven Marinella. Für die Fernsehserie wurde daraus in vielen Einstellungen Punta Secca. Das berühmte Haus des Commissario steht tatsächlich direkt am Strand. Große Teile der Serie wurden überhaupt im Südosten Siziliens gedreht, unter anderem in Ragusa, Scicli, Modica und Punta Secca.
Und das ist einer dieser Momente, die ich auf Reisen liebe. Man kennt einen Ort jahrelang vom Bildschirm und steht plötzlich selbst davor.
Punta Secca ist dabei erfreulich unspektakulär. Kein riesiger Freizeitpark rund um Montalbano, sondern ein kleiner Ort am Meer. Strand, niedrige Häuser, der Leuchtturm und eben dieses Haus mit seiner Terrasse.

Wer Montalbano mag, sollte hier unbedingt hin. Selbst wer die Serie nicht kennt, kann Punta Secca mögen. Gerade weil dort nicht an jeder Ecke eine große Sehenswürdigkeit wartet.
Ragusa: Hier läuft man mitten durch Vigàta
Von Punta Secca ist Ragusa ein logisches nächstes Ziel.
Vor allem Ragusa Ibla, die historische Unterstadt, sollte man nicht auslassen. Nach dem verheerenden Erdbeben von 1693 wurde ein großer Teil der Region im spätbarocken Stil wieder aufgebaut. Heute gehört Ragusa zusammen mit anderen Barockstädten des Val di Noto zum UNESCO-Welterbe.
Und Montalbano-Fans dürften hier ständig denken: Das kenne ich doch.
Diese Orte würde ich in Ragusa nicht verpassen
- Piazza del Duomo und Duomo di San Giorgio: Das ist das klassische Ragusa-Motiv. Der Dom steht erhöht über dem Platz, davor Restaurants, Cafés und jede Menge sizilianisches Leben. Auch verschiedene Montalbano-Szenen entstanden rund um die Piazza del Duomo.
- Corso XXV Aprile: Nicht einfach nur schnell hindurchlaufen. Genau hier liegen einige der Gebäude und Straßen, die man aus der Fernsehserie kennt.
- Piazza Pola: Auch dieser Platz wurde für Montalbano genutzt. Ganz in der Nähe befindet sich der Circolo di Conversazione, ebenfalls eine bekannte Kulisse.
- Giardino Ibleo: Nach vielen Treppen und Barockfassaden ist dieser Garten am östlichen Ende von Ibla genau richtig für eine Pause.
- Santa Maria delle Scale: Wenn ihr eine Stelle sucht, von der aus Ragusa Ibla aussieht wie eine Filmkulisse, gehört der Bereich rund um Santa Maria delle Scale dazu. Von hier blickt man über die übereinandergebauten Häuser der Altstadt.
Und mein wichtigster Tipp für Ragusa lautet: gute Schuhe.
Das ist keine Stadt, in der man elegant zwei Stunden über eine gerade Einkaufsstraße schlendert. Es geht hoch und runter, über Treppen und durch enge Gassen. Genau das macht Ragusa aber so schön.
Auto statt Vespa: Auf Sizilien ausnahmsweise die bessere Wahl
Ich fahre in Italien gern Roller. Sehr gern sogar. Aber bei dieser Reise war das Auto für mich die bessere Variante.
Catania, Ätna, Syrakus, Ragusa und Punta Secca liegen weit genug auseinander, dass man mit einem Auto sehr viel spontaner unterwegs ist. Außerdem kann man einfach einmal von der geplanten Route abbiegen, wenn irgendwo ein Schild auf einen kleinen Ort oder eine Aussicht hinweist.
Natürlich gehört zum Autofahren auf Sizilien eine gewisse Gelassenheit.
Italienischer Stadtverkehr ist selten ein Meditationskurs. Parkplätze in historischen Zentren sind ebenfalls nicht immer dort, wo man sie gern hätte.
Aber sobald man außerhalb der größeren Städte unterwegs ist, beginnt für mich einer der schönsten Teile einer Sizilienreise: Straßen durch trockene Landschaften, Olivenbäume, kleine Ortschaften, das Meer am Horizont und irgendwo wieder eine Bar, in der man eigentlich nur schnell einen Espresso trinken wollte und dann doch länger sitzen bleibt.
Sizilien muss nicht perfekt sein
Vielleicht ist das genau der Grund, warum mir Sizilien so gut gefällt. Die Insel versucht nicht permanent, hübsch auszusehen.
Da steht ein wunderschöner Palazzo neben einem Gebäude, an dem dringend etwas gemacht werden müsste. Der Verkehr funktioniert nach Regeln, die man als Besucherin nicht immer sofort durchschaut. Es ist heiß, laut und manchmal anstrengend.
Und fünf Minuten später sitzt man am Meer mit einem Espresso vor sich und fragt sich, warum man eigentlich wieder nach Hause fliegen soll.
Catania ist anders als Syrakus. Syrakus anders als Ragusa. Punta Secca wiederum hat mit allen dreien wenig gemeinsam. Und über allem steht dieser Vulkan, der einem ziemlich eindrucksvoll vor Augen führt, dass die Insel ohnehin ihre eigenen Regeln macht.
Vielleicht hat mich deshalb „Spaziergang nach Syrakus“ sofort wieder an diese Reise erinnert. Für den Filmhelden ist Syrakus ein beinahe unerreichbares Ziel. Für uns ist es heute nur einen Flug und eine Autofahrt entfernt.
Man sollte diese Freiheit gelegentlich nutzen.
